livingloud - AKG D90 C dynamisches Mikrofon

AKG D90 C

Handgepäcktauglich

Noch so ein "Universalmikrofon" aus den 70ern, wieder ein AKG. Wieder mit Kleintuchel. Dabei bin ich doch eher ein Beyer-Typ. Und einen Sinterbronzekorb hat es auch nicht. Ts. Das AKG D90 steht im Bekanntheitsgrad nicht grade in der ersten Reihe, Erwähnungen findet man gelegentlich bei gearspace, und in einem SoS SoundonSound-interview in der Ausgabe Juli 2005* sagt Peter Henderson, Geoff Emerick hätte es als Standard-Snare-Mikrofon verwendet. Das ist jetzt nicht die schlechteste Referenz, das Snare-Mikrofon auf "Breakfast in America" war es, wie oft auf Gebrauchtbörsen behauptet wird, offenbar aber nicht - das soll ein KM84 gewesen sein. Quelle: gleiches interview. Darüber hinaus hat das kleine Mikrofon es nicht geschafft, sich einen großen Namen zu machen. Wie das D190 war das D90 wohl eher ein Standard-Mikrofon, zwischen einfachen Alltagsaufgaben bei Profis, und ambitionierten Amateur-Aufnahmen.

AKG D90 C Dynamisches Mikrofon mit Kleintuchel DIN Anschluss

Es gab (mindestens) folgende Versionen:

D90 C - DIN (=Kleintuchel)
D90 E - Cannon (=XLR)
D90 HL mit festem 3m Kabel ohne Stecker - und mit Trafo

Daten

Mit nur 80g Gewicht ist es das leichteste meiner "Spielzeug-Mikrofone" - und fühlt sich auch fast wie ein Spielzeug- oder Kindermikrofon an. 160mm lang, 52mm Durchmesser am Korb - sehr klein und zierlich also. Vermutlich durch den runden und offenen Korb ist das Polardiagramm schön gleichmässig - eine sehr saubere Niere ab dem mittleren Frequenzbereich. Das AKG D90 ist ein dynamisches Mikrofon und braucht keine Tonader- oder Phantomspeisung.
Mit 640Ohm Impedanz würde es gern mehr als 1500 Ohm Last "sehen". Die DIN und XLR Variante sind übertragerlos und symmetrisch belegt. Die DIN Variante hat Masse auf Pin 2, XLR auf 1.

80Hz-13kHz +-3dB soll der Frequenzumfang sein, mit einer ausgeprägten Betonung der Höhen für "brillante Reproduktion von Musik und Stimme". Im 3. Jahrtausend n.C. stehen wir da irgendwie bei fernöstlichen Günstig-Kondensatormikrofonen drauf, es fällt also im Vergleich zu modernen Mikrofonen zwar als höhenbetontes, nicht aber als unangenehm schrilles Mikrofon auf. Irgendwie- unspektakulär. Das kann ja durchaus auch positiv sein.

Die HL-Version war, für die Zeit nicht unüblich, für den Tonband-Amateur gedacht, der ein unsymmetrisches Signal benötigte, und das Mikrofon durch Wahl der +Leitung auf die Lastimpedanz des Vorverstärkers anpassen konnte - in dem Fall auf zusätzlich 150kOhm. Ausgeliefert wurde es ohne Stecker. Einen XLR-Stecker kann man da zwar draufbraten, symmetrisch wird es dadurch aber nicht. Wäre also nicht meine erste Wahl. Erklärungen zu dem "HL" gibts auch hinter dem link weiter unten zur Adapter-Bauanleitung.

Mikroklammer

Falls Du auch eins hast, und die Klemme fehlt oder brüchig zerbröselt ist: Diese K&M (link zu thomann) passt, aber ehrlicherweise am unteren Ende der "Sicherheits-Skala". Das Mikrofon ist am Griff einfach sehr dünn.

passende Mikrofonklammer für das AKG D90 Mikrofon

Adapter und Achtung

Wenn Du ein Kleintuchel/DIN-Mikrofon hast: HIER gibts meine DIN-XLR- Adapter-Anleitung und Bezugsquellen für die Stecker. Wenn Du nett fragst, baue ich Dir vielleicht auch einen ;)

Altes Mikrofon- warum?

Wie sinnvoll ist es überhaupt, so ein altes Mikrofon zu verwenden? Abseits von der Idee, den "Sound von damals" zu reproduzieren, mag das erstmal ziemlich albern wirken. Für wenig Geld gibts heutzutage Mikrofone, die nach Datenblatt überlegen scheinen. Die verfügbare Aufnahmetechnik ist insgesamt so hochwertig und preisgünstig geworden, dass das "herumschlagen" mit anfälligem alten Kram nicht sehr rational erscheint. Trotzdem kann man wohl festhalten: Bis auf den Umgang mit künstlichen und natürlichen Hallräumen ist die Klangästhetik in der Popmusik noch sehr geprägt von den Innovationen der 70er-90er Jahre. Es kann also durchaus ein valider Grund sein, ein Mikrofon oder Gerät aus der Zeit zu verwenden, statt in eigentlich "zu guter " Qualität aufzunehmen, und dies dann später mit Plugins und teurer hardware zu "verschlechtern", um sich dem gesuchten Klangideal anzunähern. Ist Dir zu philosophisch? Bitte: Was damals gut genug war, ist heute oft auch noch ausreichend. Wie viele gut klingende Platten kennst Du, die mit solcher Technik produziert worden sind? Genau. Fast alle :) Ausserdem macht der alte Kram mit Geschichte Spass. Mir jedenfalls.

Beim Kauf von diesem oder ähnlich alten Mikrofonen auf den üblichen Internet-Plattformen solltest Du Dir vorher trotzdem gut überlegen, was Dir der Spass wert ist. Ein Lewitt LCT550 oder eins dieser nicht ganz so schönen SM58 kosten nagelneu knapp über 100 EUR, haben Garantie, funktionieren aber immer und sehr vorhersehbar auch für einige Jahre.
Das hier ist eher was zum Ausprobieren und Spielen. Auch wenn ich es nicht so richtig wahrhaben will manchmal - 1971 ist über 50 Jahre her ;) Kunststoffe und Kleber werden spröde, und besonders der Schaumstoff, der in den meisten Mikrofonen im Korb steckt, zerbröckelt einfach und versaut klebend die Membran. Schwingend gelagerte Kapseln sind durch ausgehärtete Gummimischungen entweder fest (Griffgeräusche) oder klappern lose im Korb umher (Griffgeräusche, aber sowas von). Reparaturen werden, falls überhaupt möglich, den Marktwert sicher übersteigen.

Preise

Für mein D90 hab ich unter 20 EUR bezahlt. Bei höheren Beträgen würde ich mich irgendwie fragen, warum. Ist süss, klein, klingt ok, aber... das tun andere Mikros halt auch. Es taucht recht selten auf, immerhin ein Raritäts-Plus. Ob die alle im Müll gelandet sind, oder es selten verkauft wurde - keine Ahnung. Fehlt trotzdem ein bisschen das Besondere, für mich jedenfalls, um mir ein Zweites hinzulegen. Aber das ist ja eine individuelle Entscheidung. Das Lolli-Design finde ich jedenfalls extrem dekorativ.
Du willst auch eins? Bitteschön - und viel Glück: vorgefertigte ebay Suche

*Quelle: https://www.soundonsound.com/techniques/classic-tracks-supertramp-logical-song