livingloud - tc electronic play electric

spiel' elektrisch!

tc helicon play electric

Eins von diesen Dingen, die ich unbedingt haben musste. Manchmal... ist das einfach so. Kennste bestimmt ;) Obwohl ich nur akustische Gitarren reinstecke, habe ich mich nicht für den "play acoustic" entschieden. Dazu später mehr.

haben ist besser als brauchen? kannirgendwiealles

2015. Die Zeit der Multi-Effekte und alleskönnenden Midi-Monster für Gitarren ist eigentlich vorbei. TC electronic baut trotzdem diese charmanten kleinen Schächtelchen, die man grundsätzlich als "Alleinunterhalterzentrale" beschreiben könnte. Gesangsmikro rein, Gitarre rein, 2 Aktivlautsprecher (oder irgendeine PA) anschliessen, fertig. Deshalb muss man aber nicht zwangsläufig der Mambo-Kurt der Gitarre werden :) Die Ausstattungsliste der kleinen Wunderkiste ist nahezu endlos, und ich würde es wagen, zu behaupten: Mehr als das Ding und nen guten song braucht man eigentlich nicht.

Vocal-Effekte:

- Harmony (Chorstimmen)
- Double (ungefähr als würde man eine Strophe 2mal hintereinander einsingen)
- Delay
- Reverb
- Hadtune (korrigiert die Tonhöhe, oder als Effekt (Hallo Cher))
- Transducer (lustige Kofferradio/Megaphon sounds)
- Modulation (Chorus, Alien, Unterwasser,..) - Adaptive Tone (De-esser, Kompressor, EQ, alles automatisch)

Gitarren-Effekte:

- Amp-Simulation
- Compressor
- Modulation (Chorus, Flanger, Vibrato, Panner, Tremolo)
- Delay
- Reverb

Globale Effekte:

- Looper (Nur Gitarre, nur Stimme, Beides, nur Aux-in, Alles 3)

Die Editierungsmöglichkeiten der einzelnen Effekte sind begrenzt, aber nicht so sehr, dass ich irgendwas vermisse. Die Algorithmen sind aus den einzelnen Geräten von TC entführt- der Gitarrenchorus basiert also auf dem Corona, der Hall auf dem Hof usw. - und klingen dementsprechend hervorragend. Die Vocal-Effekte klingen ebenfalls sehr gut. Die Bedienung ist einfach, logisch und mit wenigen Knopfdrückern sind die Menüs auch in der Tiefe erreicht. Etwas versteckt, in der Setup-Abteilung, ist über "Tone Style" die "Adaptive Tone" Funktion aktivierbar. Der TC verwendet dann automatisch EQ, Kompressor und De-Esser für das Gesamgsmikro. Ich mag Automatiken nicht. Eigentlich. Denn das hier funktioniert bösartig gut. Eine Studio-Aufnahme würde ich damit nicht machen, aber beim Üben mit Kopfhörern oder über eine PA im Proberaum ist der "Krass, ich kann ja singen!" - Effekt ziemlich mächtig. Die Veränderungen sind dabei dezent, in der Summe aber ist das Ergebnis erstaunlich. Die Charakteristik dieser Tontechniker-Automatik lässt sich in mehreren Varianten auswählen. Zum Üben würde ich allerdings darauf verzichten. Oder die Box dann auch zum gig mitnehmen. Wird sonst ne harte Landung :)

Looper, Harmony und Hardtune?

Moderner Kram :) Für mich ist das eher die "Alleinunterhalter"-Abteilung. Künstliche Stimmen...hm. Die Qualität ist aber tatsächlich ok. Wenn man sie dezent einsetzt, merkt das vielleicht niemand. Wenn man sie laut dreht, ist es schon irgendwie... naja. Unecht halt. Im Studio würde ich lieber mehrstimmig einsingen. Live, und wenn es zum Song passt, von mir aus. Nix für mich. Hardtune: Wenn man sauber Gitarre spielt, und mit den Akkorden einen winzigen Bruchteil zu früh / vor dem Gesang ist, funktioniert der Kasten gut, und verschiebt schiefen Gesang auf einen zum Akkord passenden Ton. Das macht aus mir trotzdem nicht Mariah Carey. Ein Gerät, dass das könnte, würde ich als Hersteller auch für viele TausendEUR mehr verkaufen :) Funktioniert wie beschrieben, aber vielleicht sollte man noch nicht auftreten, wenn man so schlecht intoniert, dass man ein Gerät zur Korrektur braucht? Der Looper ist einfach zu bedienen, allerdings nicht so umfangreich wie einzelne Loop-Maschinen. Zum Üben super, wenn man einen kurzen beat auf die Gitarre klopft, und dann dazu spielt. Oder über eine Akkordfolge Soli üben will. Oder einfach rumalbern. Darf ja auch Spass machen.

die Presets

Rechts neben dem display hat der play electric den sehr verdächtigen Button "Genre". Hier geht es tatsächlich darum, dass presets nach Musikstilen sortiert und nach songs oder Musikern benannt sind, um einem Original so nah wie möglich zu kommen. Die sounds sind gut programmiert, und ein Segen für Kneipen-Cover-gigs. Brauche ich nicht. Genauso wenig wie die Möglichkeit, über die kostenlose "Voice Support" Software noch viel mehr neue presets runterzuladen und zu editieren. Komplette Librarys, nach Genre geordnet, kann man kostenlos über den USB-Port transferieren. Ziemlich gut gelöst und funktioniert reibungslos.

Mixer und Anschlüsse

Ganz schnell und einfach kann man über den "Mix" Button das Verhältnis von Gitarre und Vocal, sowie die Lautstärke der künstlichen Harmonien und Reverb/Delay einstellen. Man muss auf einem eventuellen gig also nicht jedes preset einzeln ändern, wenn man die Balance zwischen Gitarre und Gesang oder die Effektlautstärke an den Raum anpassen will. Clever. Ausserdem regelbar ist in diesem Menüpunkt Gesamtlautstärke, Kopfhörerlautstärke, Roomsense (ein Mikro ist hinten an dem TC eingebaut, damit man bei der Verwendung von Kopfhörern als in-ear stufenlos die Umgebung / Band zumischen kann - Hammer!) und der Ausgangspegel auf dem USB-Port fürs Recorden. Das Gesangsmikor darf ruhig Phantomspeisung brauchen, die kann der TC auf Wunsch bereitstellen. Die Gitarre kann ohne oder mit Effekt abgegriffen und nochmal in einen Amp gesteckt werden, die XLR-outs gehen als Stereosumme oder Vocal+Effekt und Gitarre+Effekt. Ein Aux-in ermöglicht das Zuspielen von Backing-Tracks zum Üben oder Auftreten mit MP3-Player-Band.

TC Helicon Play Electric Anschlüsse

play alectric oder play acoustic?

Für den play electric habe ich mich entschieden, obwohl ich Akustikgitarren reinstecke. Der play acoustic kann "Body Rez", also ein modeling für Akustikgitarren mit Piezo. Das kann meine Yamaha AC3R aber schon selbst. Ausserdem kann der play acoustic nicht: Verschiedene Gitarrensounds speichern. Das ist also eher eine Kiste für Sänger, die sich immer mit dem gleichen GitarrenSound begleiten wollen, und den Schwerpunkt der Spielereien bei den Vocal-Einstellungen brauchen. Der play electric kann nur eine sehr vereinfachte body-rez Variante (Amp-Simulation Acoustic Shape), aber kann dafür in jedem preset auch einen eigenen Gitarrensound haben. Das war mir wichtiger. Für einen Gitarren-Effekt ist also der play electric die bessere Wahl, und funktioniert auch prima mit Akustikgitarren.

Was soll das alles?

Bei mir ist der TC, den ich eigentlich für live-Geschichten gedacht hatte, ein idealer Übungs-Kumpel geworden. Im Aux-in steckt mein Telefon und spielt JamPlay-tutorials, ich hab nen Kopfhörer auf, und mit ner Hohner TWP oder einer Yamaha Silent Guitar kann ich üben, ohne meine Nachbarn zu nerven. Damit ich noch merke wenn es klingelt oder das Haus abbrennt, ist das eingebaute Ambient-Mikro (room-sense sagt der Hersteller dazu) aktiv. Für kleine Skizzen funktioniert das play electric bei mir auch als Audio-interface, und über USB kann ich schnell eine Song-Idee aufnehmen - das TC steht eh immer betriebsbereit in der Ecke. Zum jammen und Melodien-finden ist der Looper prima.

Zubehör

zur charmanteren Bedienung bietet TC einen extra-footswitch (Switch3) mit 3 frei belegbaren Tastern an. Dadurch ist zum Beispiel der looper schneller bedienbar. Ich bin bisher ohne ausgekommen. Ganz schlau allerdings finde ich das Guitar & Headphone Cable. Damit kann man einen beliebigen K(n)opfhörer mit normal-kurzem Kabel anschliessen, und vom Boden bis zur Gitarre führt nur eine Strippe zum Stolpern. Das ist deutlich schöner, als eine KH-Verlängerung mit Kabelbindern mit einem 3m Gitarrenkabel zu verheiraten.

Fazit?

Aus meiner Sicht ist der Play electric ein sehr gutes tool für Solokünstler von Kneipengig bis Hochzeit. Die eigenen sounds immer fertig dabeizuhaben, inclusive Monitor-Lösung über in-ear (mit Kabel), und nur noch 2 XLR Kabel irgendwo anschliessen zu müssen, ist sicher und komfortabel. Für singer-songwriter mit "unplugged"-sound" sind die vocal-optimierungen (Kompressor und EQ) genauso hilfreich wie die Effektsektion, und problemlos in unauffälligen und geschmackvollen Einstellungen verwendbar. Ein dezenter Raum und ein kleines delay schaden einer Akustikgitarre eigentlich auch nicht, und dank der guten Qualität der Gitarreneffekte lohnt sich der Play Electric auch, wenn man nicht reinsingen will - besonders wegen der Extra-Funktionen als Audio-Interface und "Übungsmischpultkopfhörerverstärkermiteffekten" für unterwegs. Wer auf das Body-Rez verzichten kann, sollte also den elektrischen neuen Freund dem akustischen vorziehen. Für mich ist das Ding jeden EUR wert.

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