livingloud - kuenstlerziele

Ziele eines Künstlers?

Wohin will ich eigentlich? Und...was kann ich?

Wenn man ein Ziel erreichen will, muss man es kennen. Das ist so eine dieser Lebenserfahrungen, die man als alter Sack über die Jahre eingesammelt hat. Das Gefühl (zu wissen, was man will, und ein Ziel zu erreichen) kann äusserst erfreulich sein. Ich kann also nur empfehlen, sich mal was vorzunehmen. Idealerweise was Verrücktes. Oder Unrealistisches. Alles, was erreichbar ist, passiert ja eh fast von ganz alleine.

Welches Ziel hat Musik?

Nach den ersten halben songs im iPhone-Diktiergerät kam bei mir so langsam die Frage auf, was eigentlich das Ziel des ganzen Blödsinn sein soll. Ein einzelner song hat natürlich so Ziele wie "Menschen fröhlich machen, Menschen nachdenklich machen, Menschen zum Tanzen bringen, Menschen in Lebenssituationen helfen, mich selbst fröhlich machen, mich selbst nachdenklich machen, meiner Ex eins auswischen,... " - darum geht es aber erstmal noch nicht. Diese sogenannten "Menschen", also Deine potentiellen Hörer und im besten Fall fans, wissen ja noch nicht, dass es Dich gibt. Also, Kuli und Zettel holen, und los. Wenn man ein Instrument in die Hand nimmt, gibts ja so ungefähr folgende Möglichkeiten:

1. für mich alleine im Keller rumnudeln

2. gelegentlich und aus Spass mit ner Gitarre bei Singer/Songwriter-Abenden (oder Ähnlichem) spielen

3. 100 Coversongs lernen und Kneipengigs, Partys und Hochzeiten für Geld spielen

4. Robbie Williams vom Thron kippen

5. einmal ein Konzert in einem grossen Club spielen

6. der beste Gitarrist der Welt werden

7. ein eigenes Album rausbringen

Hab ich was vergessen? Keine Ahnung. Ich würde Dir sehr empfehlen, diese und ähnliche Fragen zu stellen, wenn Du mit Dir selbst oder einer Band zusammen startest. Oder wenn Ihr das Gefühl habt, dass es nicht weitergeht. Schreibt auch unrealistisches Zeug auf. Alles, was Euch einfällt. Und überlegt dann, was davon Ihr wollt. Lasst nur das "berühmt werden" weg. Schreibt ganz konkret, was Ihr damit meint. Wenn die Frage nach dem "was" beantwortet ist, kommt erst der Moment, in dem man sich fragen kann, wie man das auch erreicht. Klingt total banal? Ja klar. Aber mal ehrlich: Wieviele verdammt gute Musiker kennst Du, die auf der Stelle stehen, mit gutem Material für 2-3 Alben, die einfach nicht vorwärtskommen? Und wie viele Bands, die nicht weiterkommen, weil die Bandmitglieder sich nicht einig sind darüber, wie stark sie sich zeitlich, finanziell oder emotional engagieren wollen? Du kannst so gut spielen wie Du willst, wenn Du nicht entscheidest, was Du mit den songs machen willst, und Dir keinen Plan machst, wie Du dieses Ziel erreichen kannst. Oder auch ziemlich schlecht, wenn Du genau weisst, wen Du erreichen willst, und zielstrebig bist. Den Traum davon, dass es am Proberaum klopft, ein Mann im Trenchcoat mit 50.000 EUR, ner gebuchten Tour und einem Major-deal vor der Tür steht, den darfst Du gern weiter träumen. Aber warten solltest Du darauf nicht. Also los. Wenn es so schrecklich einfach ist, wie Du grade denkst, dauert es ja nur 5 Minuten. Tut nicht weh.

Auf jeden Fall kann ich für mich die Fragen so beantworten:

1. scheidet aus. Musik ist keine Modelleisenbahnanlage. Das Kram ist zum Anhören da. Also - muss jemand zuhören. Idealerweise nicht nur Finchen.

2. Klingt schon ziemlich gut

3. Nee, danke. Geld hab ich schon (ich bin nicht reich, aber ich hab nen job - mit einer Kleinselbständigkeit als Musiker Geld verdienen ist wirklich kein Vergnügen. Damit mach ich mir bestimmt nicht den Spass an der Musik kaputt. Und schon gar nicht damit, dass ich eine lebende Jukebox werde, und "on demand performe").

4. Das, was man "berühmt" nennt (was auch immer kommerzieller Erfolg mir Ruhm zu tun haben soll), ist in erster Linie ein Fleisserfolg. Tourgeschäft habe ich als Tontechniker lange genug gemacht. Aus dem Alter bin ich eigentlich raus. Ich bilde mir nicht ein, eine erfolgreiche Musiker-Karriere planen zu können. Aber: sehr vieles ist zumindest mit etwas Geschick und wahnsinnig viel Arbeit möglich. Genaue Zielgruppendefinition, zum Beispiel. Mehr dazu bei anderer Gelegenheit.

5. Klingt auch gut. Und: ist gar nicht unrealistisch. In Grossstädten ist es kein Problem, funktionierende Bands aus erfahrenen Berufs-/Studiomusikern für ein langes Probewochenende zu buchen. Ein Club mit 1500 Plätzen kostet am Abend 1500 EUR. Sauber vorbereiten, solide bewerben, und mit 5000 EUR ist man dabei. Mit alles, wie der Dönermann so schön sagt. Sollte man dann tatsächlich in die Verlegenheit kommen, und 250 Karten a 9 EUR verkaufen, ist der ganze Spass nur noch halb so teuer (und jetzt will ich von niemandem Hass-mails bekommen, wieviel 5000 EUR ist. Das ist ziemlich genau 1 Jahr lang ein 400 EUR-job. Wenn Du das wirklich willst, sollte das wohl kein Hindernis sein. Den Amerika-Urlaub hast Du ja auch selbst bezahlt. Wenn Dir das zuviel Mühe ist, dann willst Du's halt nicht genug. Das ist ja auch eine wertvolle Erkenntnis - und Du kannst Deinen Haken bei Punkt 1 machen).

6. Och nee. Mal ganz ehrlich: Ich finde diese Art von Gitarristen ganz schrecklich.

7. Au ja. AU JA! Das will ich. Und 2. Und wenn das alles richtig Spass macht, nehme ich noch die 5 dazu.

Das Ziel ist also klar.

Gelegentlich im kleinen Kreis live spielen, ne Platte machen, eventuell ein grosses Club-Konzert spielen.

Dein Ziel kann gerne anders aussehen. Du musst es nur kennen, bevor Du Dich auf den Weg machst.