Yamaha Pro R3

recording @home

Als ich angefangen habe, über "die Platte" nachzudenken, war natürlich das Aufnehmen elementar. Die Grundidee: Yamaha AC3R Akustikgitarre mit Modelling-Pre und Kabel aufnehmen, Shure Beta 87A für'n Gesang kaufen, fertig. Irgendwas ist danach schiefgegangen... :) Aus meiner Erfahrung als Live-Tontechniker hab ich dann erstmal ein 19" Rack gekauft, mit knapp 30HE, und ebay unsicher gemacht. Klar, ein Furman. Geht nicht ohne. Ein Interface. Irgendwas, was 24/96 kann, mindestens 8 Eingänge hat, und ganz viel Ausstattung. Und dann... fing der Spass eigentlich an. Alles, was ich in meiner live-Zeit gern benutzt habe, wollte ich in dieses Rack schrauben. Rev7, ProR3, SPX990, 2290, PCM60, BSS 402, dbx160, Drawmer, ... und dazu einfach ein paar günstige, lustige Sachen. Komische 90er-Multieffekte, Exciter von Firmen die es schon lange nicht mehr gibt, ... Und natürlich so Dinge wie Röhren-Mikrofon-Preamps und Channelstrips. Warum? Weil ich Lampen und Knöpfe mag, klar. Und weil Hardware schön ist. Und ein echtes Studio-Gefühl vermittelt. Und weil ich dachte, dass ich diese Vielfalt brauchen würde, um meinen "sound" zu finden.

Viel hilft... garnicht.

Inzwischen habe ich vieles davon wieder verkauft. Nicht, weil es mir keinen Spass gemacht hat - sondern, weil es mich nicht weitergebracht hat. Die Idee, einen "Charaktersound" mit verschiedenen Geräten zu erzeugen, ist natürlich nicht blöd. Und für ein Studio ist es durchaus sinnvoll, viele Spielmöglichkeiten zu haben. Aber: Ich bin kein Studio. Und den Charaktersound habe ich schon, weil meine Aufnahmeräume einfach kathastrophal schlecht sind. Gesang im Wohnzimmer aufnehmen und dann durch trashige Effektgeräte schicken verbessert einfach nix. Egal, wie viele verschiedene man davon hat. Sich im Wohnzimmer an eine andere Stelle zu stellen, macht einen viel grösseren Unterschied, als noch einen anderen Trash-Kompressor zu inserten. Ein paar schöne Beispiele dazu, wie fürchterlich ein Wohnzimmer wirklich klingt, habe ich in meinem Artikel über Raumakustik aufgenommen und beschrieben.

Auf der Suche nach meinem sound

Die Wahrheit ist so unsexy wie teuer. Aufnehmen fängt im Studio und zu Hause mit der Qualität des Raumes an. Du kannst so viele schöne Mikrofone kaufen, wie Du willst. Du kannst teure Kompressoren kaufen, teure Wandler, alle kostenlosen Plugins runterladen, die Du finden kannst. Das ganze sexy Zeug. Ist alles egal. Nützt überhaupt nix. Weil ein handelsüblicher Alltags-Wohnraum einfach weder leise genug zum Aufnehmen ist (Nachbarskinder, Kühlschränke, Rechnerlüfter, Strassenverkehr,...) noch gut genug zum Aufnehmen klingt. Und wenn man diese hässliche Ehrlichkeit noch auf die Spitze treiben will: Weil man die Erfahrung eines guten recording engineers nicht mit Gerätekauf ersetzen kann.

Also - nix Platte?

Doch, klar. Aber Du musst Dir der Limitierungen bewusst sein. Die Probleme, die sich aus minderwertigen Aufnahmeräumen ergeben, löst Du nicht mit besserer oder mehr Ausrüstung. Vielleicht sogar im Gegenteil.

...und was brauche ich dann?

Nach einer relativ intensiven Frust-Phase habe ich mich entschlossen, vieles von dem Zeug zu verkaufen, und auf den Variantenreichtum zu verzichten. Statt 5 billigen Vorverstärkern lieber einen guten. Den ganzen "lustigen Kram" weg. Statt 19"-Burg und Protools-iMac mit 2tem Monitor lieber ein MacBookPro mit mobilem interface. Dadurch kann ich jetzt in wirklich guter Qualität tracken - und ich kann es vor Allem überall. Im Proberaum, in gemieteten Aufnahmeräumen und zu Hause. Ein paar 19" Sachen sind natürlich geblieben. Weil es einfach Spass macht. Und weil so ein kleiner Channelstrip zum tracken von Bass-Spuren super ist. Und ein Hardware-Hall auch schöner als ein plugin. Aber: Ich brauche nicht 3 verschiedene davon. Die Qualität meiner Aufnahme wird einfach durch mangelnde Erfahrung und schlechte Raumakustik begrenzt. Nicht dadurch, dass ich einen ganz bestimmten Hall nicht habe. Und das Beste, was ich machen kann, ist: unter den vorhandenen Umgebungsvaribalen mit der höchstmöglichen neutralen Qualität zu tracken. Damit ich hinterher in einem richtigen Studio einen sound bauen kann.

Grundsätzlich bin ich also wieder bei meiner Ausgangsposition (vereinfacht: nur ne Gitarre und ein Mikro), aber eben in viel besserer Qualität. Macht viel mehr Spass. Und viel bessere Ergebnisse. Also bitte: nicht 10 verschiedene Sachen kaufen, sondern einmal was Gutes. Ein billiges Kleinmembran + 1 billiges Grossmembran + ein billiges Bändchen + 3 preamps ist einfach nicht besser als ein Mittlklasse-Mikrofon an einem anständigen interface. Klar, Du hast nur einen sound. Nicht 3. Aber: Du hast einen brauchbaren, nicht 3 schlechte.

Tips zu Raumakustik, verschiedenen Mikrofonen,... findest Du über Inhalt