livingloud - furman pl pro dmc und M-10 LX

Protection ok

Furman Power Conditioner und Stromverteiler

Was ist eigentlich drin in diesen Furman 19" Steckdosen? Auf jeden Fall: Ne Menge gutes Gefühl. Ein Furman gehört in jedem Rack zum guten Ton (schlechter Wortwitz, Achtung!), und verspricht, "irgendwie den Strom sauberzumachen und vor Überspannung zu schützen". Die charakteristischen Auszieh-Lämpchen, an denen ich mir vor 20 Jahren so gerne die Finger verbrannt habe, sind schon lange nicht mehr mit skurrilen Weihnachtslichterkettenglühbirnen bestückt, und werden dank LED-Innereien nur noch lauwarm. Den schönen warmen Farbton von gedimmten Glühbirnen, den vermisse ich schon ein wenig. Aber... von vorne:

Furman M-10 LX

Die kleinste aktuelle Version von Furman mit den berühmten ausziehbaren Rack-Lampen hat bei mir lange für Ordnung im Rack und praktisches on-off gesorgt. Tatsächlich ist die kleine Schachtel sogar ganz gut gefüllt:

Furman M-10 LX inside

Neben einem Kabelbaum, der an die Anfänge der Elektrizität erinnert (mal ehrlich - was für'n Chaos), ist tatsächlich was drin: In der Mitte ein Netzfilter gegen Hochfrequenz-Kram und Überspannungsschutz (einfach aber recht effizient mit einem Varistor gelöst), seitlich die Stromversorgung und Dimmer für die Rackbeleuchtung. An der Rückseite gibts 8 Kaltgerätebuchsen für die Geräte, die im Rack mit Strom versorgt werden sollen, und eine für den Eingang des Furman. Praktischerweise ist für "schnell mal eben" auch ein Ausgang auf der Frontseite vorhanden. Sehr charmant: Wenn man die Beleuchtung ins Gehäuse schiebt, wird sie durch einen kleinen Schalter am Ende der Halterung ausgeknipst. Wie bei ner Kühlschranktür, quasi.

Der kleine Furman sieht im Rack von vorne gut aus - im Rack von hinten erst Recht-, ist praktisch, und der Überspannungsschutz ist dazu geeignet, Spannungsspitzen von den angeschlossenen Geräten fernzuhalten. Davor, dass sich Dinge wie "Internet übers Stromnetz" im Röhrenverstärker ausbreiten und hochfrequenten Schweinkram machen, schützt das Filter (dessen Effektivität ich leider nicht messen kann).

Klar, man kann die Grundfunktionen auch ohne Furman haben. Racklight reinschrauben und Steckdosenleiste mir Überspannungschutz hinten ins Rack kleben. Das ist aber weder eleganter, noch ernsthaft billiger.

Furman PL PRO DMC E

Der grosse Bruder - mich hat er wegen eines echt banalen features nervös gemacht: Der USB-Lade-Buchse auf der Front. Echt jetzt. Meine MOTU 1248 wird am Liebsten vom iPad bedient, und das ist natürlich fast immer leer, wenn man es braucht.

Furman PL PRO DMC von innen:

Klar, ich zeige Euch auch beim grössten 19" Furman, was so drin ist:

Furman PL PRO DMC inside

Das grün-gelbe Kabel, das da so unmotiviert in der Gegend rumhängt, ist übrigens der Schutzleiter für den Gehäusedeckel.

Das deutlich aufwändigere Netzfilter fällt sofort ins Auge, und auf der Platine gibts auch gleich ein Relais, das offenbar Befehle vom Spannungsmesser empfangen kann - und die Verbindung im Ernstfall trennt. Das wird das "EVS System" (extreme voltage shutdown) sein, das Furman bewirbt. Kann der kleine M-10 LX nicht. Der Unterschied in der Praxis: Wenn ich mein Zeug auf ein Open-Air mitnehme, zum Aufnehmen, zum Beispiel, und irgendein Heini im Starkstromkabel mal wieder 2 Strippen vertauscht hat, liegen statt 230V üppige 380V an den Geräten an - und ja, das passiert in der Praxis wirklich. Dann sollte der PL PRO dank dieser Schutzschaltung die angehängten Geräte gar nicht erst mit Strom versorgen, und das Display bleibt dunkel - aber die "High Voltage shutdown" LED leuchtet. Der Furman geht davon nicht kaputt, und die angeschlossenen Geräte natürlich auch nicht. Sensationell. Für spontane Spannungsspitzen wie z.B. Blitzschlag hat auch der PRO DMC Varistoren, man darf also davon ausgehen, dass bei kurzzeitigen Schweinereien nicht abgeschaltet wird, und das Konzert einfach weitergehen kann.

Die rückseitigen Anschlüsse sind in 2 Gruppen getrennt abgesichert. Das ist vermutlich nur eine Konsequenz daraus, dass der PL PRO 16A verteilen kann, aber die üblichen Kaltgeräte-Anschlüsse nur mit 10A belastbar sind. Furman verkauft das als "2 seperate power-banks", um Geräte untereinander vor Störungen zu schützen. Getrennte Filter habe ich nicht erkennen können (mir aber auch keinen Schaltplan gemalt). Aber praktisch mag das trotzdem sein, um zum Beispiel 2 redundante Recorder an getrennte Sicherungen zu hängen. Der Hauptschalter ist übrigens ein ziemlich überdimensioniertes Nobelteil aus der Schweiz. Gut so - denn bei 10 Geräten am anderen Ende fliesst unter Umständen ziemlich hässlich hoher Einschaltstrom, der Schalterkontakte auch schnell mal abbrennt.

Sehr charmant ist auch der Anschluss für eine kleine BNC-Lampe auf der Rückseite. Während es vorm Rack ja meistens noch hell genug ist, um die Geräte zu bedienen, ist es hinten in den Kisten beim Verkabeln oder Fehler-suchen ziemlich dunkel. Wenn man es vorm Rack dunkel mag, genügt übrigens ein Druck auf den Dimmer - dann sind die Auszieh-LEDs aus, ohne die Helligkeit zu verstellen.

Das Display zeigt auf Knopfdruck anliegende Spannung und fliessenden Strom, und lässt sich in 2 Helligkeiten einstellen. Die blaue Anzeige passst gut zum MOTU-Display, und ist nicht so kitschig wie die langen LED-Ketten, die kleinere Furman-Modelle zum Anzeigen verwenden.

Kaltgeräte, Warmgeräte

Tatsächlich ist die Steckernorm C13/C14, die wir bei vielen Geräten als Anschluss verwenden, nur bis 10A Dauerstrom zugelassen. Der Furman M10LX hat ein Standard-Kaltgerätekabel als Zuleitung, wird also eher in Sideracks und bei kleinen setups Verwendung finden, als in konventionellen 24HE Endstufen-Kleiderschränken (gibts die überhapt noch?). Das Gute am Kaltgeräte-Standard ist: wenn man mal ein Kabel verliert, gibts überall Ersatz. Der PL PRO kann 16A filtern und verteilen - hat also nicht die bekannte Kaltgerätebuchse an der Rückseite, sondern die Steckernorm C19/C20. Das passende Kabel liegt natürlich bei, aber das sollte man eben auch nicht vergessen - Ersatz liegt nicht in jeder Kabelecke rum. Sinnvollerweise kann man die Zuleitung mit 2 Schrauben und einer Drahtklemme als Zugentlastung ziemlich sicher mit dem Furman verheiraten, dadurch dürfte das Risiko vernachlässigbar sein. Die Anschlüsse für die zu versorgenden Geräte sind die üblichen IEC 60320 C13/C14 Kaltgerätestrippen.

Zubehör

Die Anschlusskabel vom Furman zu den Lieblingsgeräten muss man nicht selbst bauen:

Kaltgeräteverlängerung, 0,5-3m Länge

Adapter für die Front-Buchse auf Schuko, z.B. fürs Laptop-Netzteil:

Schuko-Buchse auf Kaltgerätestecker

Gooseneck für Rackbeleuchtung (nur PL PRO)

LED BNC-Schwanenhals

Fazit?

Tja. Wenn es um Ordnung im Siderack / Effektrack geht, oder um etwas mehr Stil beim homerecording-setup, reicht der Furman M-10 LX sicher aus. Bei der Verwendung "on the road" ist durch die deutlich umfangreichere Schutzfunktion der angeschlossenen Geräte und die praktischen Extras der Furman PL PRO DMC deutlich mehr als eine Verteilersteckdose. Bedenkt man, dass ein kleines Recording-setup mit angeschlossenem Laptop mindestens 5kEUR schwer ist, ist dieser kleine Lebensversicherer alles Andere als ein teurer Luxusartikel. Ob Euch der Preisunterschied dafür angemessen erscheint, müsst Ihr selbst entscheiden - bittesehr:

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