livingloud - Michi Reimers - das bin ich

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Irgendwann war es einfach genug, mit dieser Tontechnik-Sache. Über die Jahre wurden Band-Namen, Hallen und Bühnen immer größer - und damit auch die Distanz zur Band und zum Publikum. Auf dem Weg von Tourbus zum Hintereingang grosser Hallen sah der Himmel in allen Städten gleich unromantisch aus, und das eigentliche Konzert war nur noch ein kleiner Anteil des Jobs. Die Band nur noch alle paar Tage zufällig nach dem soundcheck im catering treffen, weil man komplett unterschiedliche Tagesabläufe und Reisezeiten hat, und 4-5 Tage pro Woche immer die gleiche Show, komplett durchgeplant, inclusive der Ansagen zwischen den songs... hm. Viele grosse Parties gefeiert, sehr sehr viel Spass und tolle Erlebnisse, aber irgendwann auf einer nächtlichen Autofahrt im Sportwagen ohne Dach, nach einem grossen FoH-Open-air-job mit einer Band aus dem Radio angefangen zu überlegen: Ist das jetzt eigentlich dieses "berühmt"? Und gemerkt: Nee. Also - ja, ist es wohl. Aber das war nichts mehr für mich. Nicht so.

Also - was anderes. HiFi+Plattenladen. Das war auch nicht viel romantischer, weil die Ü50 Männer mit Regenjacke, Rucksack und Alleswisserattitüde viel lieber darüber sprechen wollten, wie gut auf ihrer 35.000 Mark-Anlage diese besondere Pressung von Hotel California klingt, wenn sie irgendwelche Zauberfüsschen unter die Lautsprecherkabel legen, als Platten zu kaufen und neue Musik kennenzulernen, und das auf Konzerten der Sound eh viel schlechter ist als in ihrem Wohnzimmer. Ausserdem ist es gar nicht so einfach, die guten Platten nicht alle selbst zu behalten ;)
Röhrenverstärker und Plattenspieler selbst gebaut, immer nach dem "da geht noch mehr" gesucht. Und nicht gefunden - weil es vielleicht stimmt, dass immer noch "was geht", aber die Musik auf der Platte dadurch weder besser noch schlechter wird, ein raumakustisch optimiertes Wohnzimmer einfach kacke aussieht, und Musik hören gar keinen Spass mehr macht, wenn es nur noch um die letzten 3% Klangverbesserung geht, und nicht um Energie, Geschichten und Emotionen.

Also ganz aufgehört, mit dieser Musik-Sache. Den 120kg Plattenspieler mit 4 Tonarmen und 4000 LPs verkauft. Gitarren und Bässe in den Keller gestellt, zu den Kartons mit ein paar Lieblings-Platten (zum Glück). Keine Live-Beschallung mehr gemacht. Keine Konzerte mehr gesehen. Kein Radio, keine CDs, nix mehr.
Und es vermisst, ein paar Jahre später. Angefangen, Konzerte zu fotografieren. Endlich wieder live-Atmosphäre. Wieder dabei. 150 Konzerte und Festivals im Jahr, 500 Bands, ungefähr. Auch nach einigen Tausend Veröffentlichungen über jedes Foto von mir in Zeitungen und Magazinen freuen wie übers erste.

Aber: Wieder nur für die Musik und die Geschichten der anderen arbeiten. Wie wäre es denn mal mit einer eigenen Platte? Eigenen Geschichten und eigenen Songs? Hm.
Ab in den Keller. Eine Gitarre gefunden, und Bässe, die ich schon über 25 Jahre lang habe. Und die Kartons mit den Lieblingsplatten. War eh grade höchste Zeit für ne handfeste midlife-crisis. Songs schreiben aus Ideen die schon seit über 20 Jahren in meinem Kopf rumschwirren, viel Neues dazu, und natürlich: Der Technik-Kram. Geräte kaufen. Das ganze Zeug, mit dem ich so gern live gearbeitet habe. Gitarren auch. Natürlich. Viele.

Die alte homepage (diese) wieder aktiviert. Eigentlich, um den Prozess von der Idee zur fertigen Platte zu dokumentieren. Hat nicht ganz so geklappt. Platte ist auch noch nicht fertig, könnte also noch kommen. Wächst aber langsam. Für Kompromisse hab ich einfach zu viele gute Sachen gehört und gesehen.
Merken, dass dieser Technik-Kram ganz schön viel Spaß macht. Sogar mehr als früher. Weil ich nicht muss. Nur will. Und inzwischen... also auch wieder für die Musik von Anderen arbeiten. Live und im Studio.
Im Kreis gedreht? Vielleicht eher in einer enger werdenden Spirale, mit dem Blick aufs Wesentliche: Nur noch Herz-Sachen.

Auf dieser Seite wirst Du einen ziemlich wirren Mix aus Unfähigkeit (Gitarre spielen), Fachwissen und Experimenten finden - und auch viele persönliche Sachen. Ich hoffe, es macht Spass zu lesen, und Du findest Anregungen für Dein eigenes Projekt.

Ich habe mich bewusst gegen einen klassischen Blog entschieden. Weil ich vermutlich keine Zeit habe, Kommentare zu kontrollieren, Fragen zu beantworten, und täglich zu posten. Du kannst mir aber gern ne mail schicken, wenn Du Fehler oder groben Unfug findest.

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